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Salve Domina. Hinweise auf lesende und schreibende Frauen im Römischen Reich
HASBonline – Hefte zur Archäologie des Mittelmeerraumes aus Bern, vol. 22, 2017
Universität Bern

EINLEITUNG

Darstellungen von lesenden und schreibenden Frauen sind in der römischen Antike nicht selten und wurden oft als solche von Musen interpretiert.. Wie stand es aber um die effektive Fähigkeit römischer Frauen zu lesen und zu schreiben? Darüber können Musendarstellungen kaum Aufschluss geben. Deshalb sollten in meiner Masterarbeit., auf der dieser Artikel basiert, nicht Bildquellen, sondern das Fundmaterial im Vordergrund stehen und zeigen, ob sich Aussagen zur Leseund Schreibfähigkeit von Römerinnen machen lassen.

Die Forschung interessierte sich bisher vor allem für die hochgebildeten Damen der Oberschicht, welche selbst literarisch tätig waren.. Sie sind es auch, die in den schriftlichen Quellen meist erwähnt werden. Doch auch über Sklavinnen gibt es Berichte, und zwar in Grabinschriften. Die dort genannten Berufsbezeichnungen erfordern eindeutig Fähigkeiten im Lesen und/oder Schreiben. Um ein weiteres Bild zu bekommen und sich auch Frauen aus anderen Schichten anzunähern, lohnt sich der Blick auf das archäologische Fundmaterial. Schreibgeräte, die sich Frauen zuweisen lassen, geben konkrete Hinweise auf ihre Fähigkeiten im Umgang mit der Schrift. Besonders gut eignen sich Grabfunde, da diese intentionell einer bestimmten Person mitgegeben wurden. Solche aus Hausoder Siedlungskontexten sind dagegen kaum einem einzelnen Individuum zuzuweisen.

Weitere Hinweise auf die Literalität. geben Alltagsgegenstände wie Spinnwirtel als Schriftträger. Wurden sie von Frauen selbst beschrieben, lassen sie auf die Schreibfähigkeit der betreffenden Person schliessen; kamen sie bereits beschriftet in ihren Besitz, konnte die Frauen diese mit einiger Wahrscheinlichkeit auch lesen und verstehen.

SCHRIFTLICHE QUELLEN

Um sich der Leseund Schreibfähigkeit von römischen Frauen anzunähern, setzt man am besten bei der Ausbildung an. Nur wenige Autoren beschäftigten sich mit derjenigen der Mädchen. Dies geht darauf zurück, dass die Kindheit allgemein wenig behandelt wurde. So steht denn auch bei der Ausbildung von Knaben eher ihre zukünftige Karriere im öffentlichen Raum im Vordergrund, welche für Mädchen nicht vorgesehen

* Inschrift auf einem Spinnwirtel aus Autun (Saône-et-Loire, F), prairie l’Évêque. LAMbERT 2002, 318; war.. Ausserdem können bei einer Nennung von Kindern (in männlicher Pluralform) Mädchen mit eingeschlossen sein, müssen aber nicht..

Verschiedene Schriftsteller berichten ab der Zeit der Republik bis ins 2. Jahrhundert n. Chr. vom Schulbesuch von Mädchen.. Explizit nennen Livius9

und Dionysos von Halikarnassos10 Verginia, die Tochter des Centurio Lucius Verginius, welche die Schule auf dem Forum besuchte. Sie wurde von ihren Ammen begleitet11. Laut Livius war sie bereits erwachsen und verlobt, also ungefähr 12–15 Jahre alt12, und soll noch die Grundschule besucht haben13. Nach Dionysos von Halikarnassos lernte sie bereits bei einem grammaticus, war also schon in einer höheren Ausbildung, was ihrem Alter entsprochen hätte14. Die Szene spielt im 5. Jahrhundert v. Chr., wurde aber von Autoren des 1. Jahrhundert v. und n. Chr. geschrieben. Dass eine junge Frau auf dem Forum zur Schule geht, wird nicht weiter erläutert, scheint also in dieser Zeit nicht aussergewöhnlich gewesen zu sein, ja vielleicht sogar auf eine längere Tradition zurückzugehen1.. Interessanterweise gehörte Verginia der Plebs an, nicht der Oberschicht. Das weist auf eine Schuldbildung nicht nur für adelige Frauen hin.

Martial16 gibt darüber hinaus Hinweise auf den gemeinsamen Unterricht von Mädchen und Knaben. Besonders in der Oberschicht wurden häufig Privatlehrer angestellt, um die eigenen und teilweise auch Sklavenkinder zu unterrichten. Obwohl häufig nur die Söhne genannt sind, scheint es wahrscheinlich, dass auch die Töchter desselben Haushaltes teilnehmen durften. In einigen Familien ohne männlichen Nachwuchs wurden jedenfalls Lehrer für den Unterricht der Töchter angestellt17.

Das Anlegen der toga virilis und damit der Wechsel vom Kind zum Erwachsenen war für die Knaben wohl auch der Übergang vom Elementarunterricht zum Unterricht beim Grammatiker. Bei Mädchen markierte dagegen die Hochzeit das Ende der Kindheit. Da sie ab diesem Zeitpunkt nicht mehr unter der Aufsicht der Eltern standen, ist auch mit einem Wechsel in der Ausbildung zu rechnen18. Den Wechsel zum Grammatiker machten sie vermutlich nicht mit, doch gerade in der Oberschicht konnte die Grundausbildung durch den Ehemann, einen Privatlehrer, den Zugang zu Familienbibliotheken oder die Teilnahme am sozialen Leben des Mannes ergänzt und in unterschiedliche Richtungen weitergeführt werden19.

Nach der Hochzeit kam auf die junge Frau eine Fülle von neuen Aufgaben zu: Als matrona musste sie die Arbeit der Sklaven koordinieren und überwachen, ihren Mann zu Anlässen begleiten oder seine Besucher bei Einladungen im eigenen Haus unterhalten und ihn, wenn er wegen militärischen oder politischen Angelegenheiten ausserhalb der Stadt war, mit den wichtigsten Informationen über die aktuellen Geschehnisse versorgen20. Je nachdem kam auch die Verwaltung des eigenen Vermögens hinzu. Die für diese Tätigkeiten nötigen Schreibarbeiten konnten von Sklaven erledigt werden, was wohl allgemein häufig der Fall war. Trotzdem war es nützlich, selbst kurze Texte verfassen zu können21. Noch wichtiger war aber die Fähigkeit zu lesen, erlaubte sie doch, die schriftlichen Arbeiten der Sklaven zu überwachen, was gerade bei Abrechnungen und Ähnlichem wichtig war22.

Dazu kam natürlich die Erziehung der Kinder. Normalerweise wählte der Vater, der für die Ausbildung zuständig war, einen Lehrer für seine Kinder aus. Falls er früh verstarb, fiel diese Aufgabe der Mutter zu und war damit abhängig von ihrem eigenen Bildungsstand23.

Auch die stadtrömischen Grabinschriften geben Hinweise auf literarische Fähigkeiten. Sie nennen häufig neben dem Namen und dem Alter des Verstorbenen auch seine Beschäftigung zu Lebzeiten24. Im Vergleich zu den Grabinschriften von Männern sind Berufsangaben bei Frauen selten25. Für römische Matronen war die Ausübung einer Arbeit nicht angemessen; ihr Tätigkeitsbereich beschränkte sich auf das Gebären von Kindern und den Haushalt, was die Inschriften unterstreichen, die die Kunstfertigkeit im Weben und Spinnen loben26. Freigelassene und Sklavinnen waren dagegen in verschiedenen Berufsfeldern vertreten, was sich auch in ihren Grabinschriften niederschlägt27. Neben zahlreichen Betätigungen im Textilgewerbe oder der Körperpflege, die meistens von Frauen ausgeübt wurden, sind auch Ärztinnen, Händlerinnen und Musikerinnen bezeugt. Besonders interessant für die vorliegende Arbeit sind Berufe, die eine Ausbildung in Lesen und Schreiben voraussetzen.

17 solche Belege stammen aus der Stadt Rom. Sie datieren in die Zeit vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis in das 2. Jahrhundert n. Chr. mit einer Konzentration im 1. Jahrhundert n. Chr. Konkret nennen drei Inschriften eine lectrix.8, zwei eine anagnostria29. Beide Begriffe bezeichnen eine Vorleserin, welche für ihre Herren beim Bad, während dem Essen oder vor dem Schlafen rezitierte30. Eng verwandt mit den lectrices und anagnostriae ist die acroamatica, welche nur in einer Inschrift belegt ist31. Sie beherrscht verschiedene Unterhaltungsarten, von Vorlesen zu Musik und Tanz. Vier Inschriften nennen eine a manu oder amanuensis32.Sie wird meistens als Schreiberin oder Sekretärin bezeichnet. Als einziger der hier vorgestellten weiblichen Berufe ist die amanuensis auch in literarischen Quellen erwähnt: Caenis, die amanuensis und Freigelassene der Antonia, Mutter des Claudius, wurde nach dem Tod von Flavia Domitilla zur Konkubine des Vespasian und gelangte so zu grossem Reichtum und Einfluss33. Cassius Dio lobt ihre Treue gegenüber ihrer Herrin Antonia und ihr gutes Gedächtnis. Indem er beschreibt, wie Antonia ihr einen geheimen Brief an Tiberius diktierte, den sie zu schreiben hatte, gibt er zugleich einen Einblick in das Tätigkeitsgebiet einer amanuensis34. Sieben Frauen werden als librariabezeichnet35. Ihr Tätigkeitsgebiet war wohl ähnlich dem der a manu/amanuensis, also das einer Sekretärin3.. Ihre Aufgaben werden sich nicht wesentlich von denen eines männlichen Sekretärs unterschieden haben: das Schreiben von Briefen, das Abschreiben und Kopieren von Büchern oder Akten und vermutlich auch das Führen der Buchhaltung und des Rechnungswesens37. Eine singuläre Inschrift nennt eine notaria38. Notarius/notaria wird meist als Stenograph oder Tachygraph übersetzt. In Privathaushalten schrieben sie nach Diktat Briefe, Verträge und Ähnliches, konnten dort, in Bibliotheken oder Bücherläden aber auch als Kopisten arbeiten39. Ebenfalls nur einmal ist der Zusatz a bybliotheca belegt40, welcher auf die Tätigkeit in einer Bibliothek hinweist. Er ist auch für Sklaven und Freigelassene überliefert, welche in den öffentlichen kaiserlichen Bibliotheken und in den kaiserlichen Villen gearbeitet haben. Die Tätigkeiten umfassten die Pflege und den Unterhalt der Sammlung, was vom Einräumen der Volumen über das Anfertigen von Kopien bis zum Errichten von Bücherregalen reichte41.

Von den hier behandelten 19 Inschriften nennen sechs Vorleserinnen (lectrices, anagnostriae, acroamatica graeca) und zwölf Schreiberinnen (a manu, amanuensis, libraria, notaria). Die a bybliotheca steht für sich, da sich ihr Tätigkeitsgebiet nicht genau definieren und sie sich deshalb nicht einer der Gruppen zuweisen lässt. Dass die Schreiberinnen auch lesen konnten, ist vorauszusetzen; über die Schreibfähigkeit der Vorleserinnen lassen sich keine Aussagen machen, sie ist aber wahrscheinlich. Dies insbesondere deshalb, weil das Lesen über das Schreiben gelernt wurde: Die Schüler zeichneten vorgeritzte Buchstaben nach, verbanden sie zu Silben und Wörtern. Dazu wurde zeitgleich das Lernen über das Gehör und somit auch das Nachsprechen und schliesslich das Lesen geübt42.

Den sechs aus Inschriften bekannten Vorleserinnen stehen vier männliche Vorleser gegenüber43. Ein Grund für die relativ kleine Anzahl an Belegen könnte darin liegen, dass die Aufstiegschancen zu einer andern Tätigkeit aufgrund der Ausbildung gut standen. Für Frauen ist diese Möglichkeit jedoch fraglich44. Vielleicht behielten die wenigen Frauen ihre jeweilige Position, während die Männer mit anderen Tätigkeiten betraut wurden. Viel einseitiger zeigt sich das Verhältnis bei den Schreibern: Auf die zwölf weiblichen kommen 106 männliche45. Die Angaben der (ehemaligen) Besitzer zeigen, dass die lesenden und schreibenden Frauen fast ausschliesslich für Frauen tätig waren46.

ARCHÄOLOGISCHE HINWEISE AUF LESENDE UND SCHREIBENDE FRAUEN

Aus dem Gebiet des heutigen Italien und der nördlichen Provinzen werden im Folgenden die bekanntesten 36 als weiblich identifizierten Gräber mit Schreibgerätbeigaben47 des 1. – 4. Jahrhunderts n. Chr. vorgestellt (Abb. 1; Tab. 1 mit Datierungen). Sie lassen sich in drei Gruppen unterteilen: Solche mit Beigaben aus dem Bereich des Schreibens mit Tinte, solche, die das Schreiben auf Wachstafeln belegen und solche mit Hinweisen auf beide Techniken. Tintenfass, Schreibfeder und (Feder-) Messerchen zum Anschneiden der Feder bezeugen das additive Schreiben mit Tinte; Schreibgriffel, Wachstafeln und Wachsspatel zum Glattstreichen das Einritzen der Schrift (Abb. 2). Wachstafeln48 und Schreibfedern49 waren beide häufig aus organischem Material; ihr Erhaltungszustand ist entsprechend problematisch und die Wahrscheinlichkeit von Grabfunden klein.


Abb. 1
Verbreitungskarte der Frauenbestattungen mit Schreibgerätbeigaben

Zehn Gräber zeugen vom Schreiben mit Tinte. Mit einer Ausnahme besitzen sie nur jeweils ein Objekt, welches sich als Schreibgerät ansprechen lässt. Einzig das sog. Grab einer Ärztin aus Vindonissa50 weist drei Objekte auf: Ein kleines zylindrisches Döschen aus Bronze mit stark profilierter Wandung konnte von D. Božicˇ51 als Tintenfass identifiziert werden. Bei zwei Bronzeröhrchen könnte es sich um die oberen Enden von Schreibfedern handeln. Teile von zwei verbrannten Skalpellen belegen die Beigabe von medizinisch-chirurgischen Instrumenten, was die Ansprache als Ärztinnengrab erlaubt52.

Das heute verschollene Silberdöschen aus einem Plattengrab aus Augusta Raurica53mit geritzter und punzierter Dekoration besitzt keinen Deckel mehr, wodurch sich nicht mehr feststellen lässt, ob es eine Öffnung zur Entnahme der Tinte gegeben hat oder nicht. P.-A. Schwarz54 bevorzugt eine Interpretation als Pyxis, stellte aber auch fest, dass silberne Pyxiden eine Rarität im archäologischen Fundmaterial darstellen und ausserdem relativ selten in Gräbern vorkommen. Die Nutzung als Tintenfässchen erwähnt er, kann sie aber wegen der fehlenden Deckelkonstruktion und dem Mangel an Tintenverfärbungen nicht bestätigen. Bei S. Fünfschilling wird das Grab dennoch unter die schreibgerätführenden Bestattungen aufgenommen55.


Abb. 2
Pompejianisches Wandbild mit Schreibgeräten

Das einzige aus mehreren Teilen zusammengesetzte Tintenfässchen stammt aus dem Grab 235 in Favianis/Mautern56. Es besteht aus Blei. Ein kleineres Gefäss mit unregelmässigem und gelochtem Deckel wurde in einen grösseren zylindrischen Mantel gestellt. Weiteres Schreibgerät ist nicht vorhanden.

Nur bei einem Grab kann ein kleines Elfenbeinfragment mit einiger Wahrscheinlichkeit als Schreibfeder identifiziert werden. Die anderen bekannten Schreibfedern aus den hier behandelten Frauengräbern sind mit weiterem Schreibgerät kombiniert, was auch ihre Deutung erleichtert hat. Das erwähnte Elfenbeinstäbchen ist zusammen mit einem grösseren Elfenbeinstab mit vergoldeten Streifen desselben Materials, welcher wohl zu einem Fahnenfächer gehörte, einem Haarpfeil aus Schildpatt, Glasund Steingefässen und einer Tonlampe mit FORTIS-Stempel einer weiblichen Bestattung vom Ende des 1. Jahrhundert n. Chr. in einer Gruft in Mainz beigegeben worden57.

Ein kleines Messer als einziger Anhaltspunkt für Schreibgerät ist in Diersheim, Grab 2158 und in fünf Gräbern aus Emona59 vorhanden. Das eiserne Messer aus Diersheim besitzt einen Griff mit fischblasenartiger Aussparung und entspricht somit dem von D. Božicˇ60 als Federmesser definierten Typ. Die zweite von ihm als charakteristisch genannte Form ist das Volutenknaufmesser, welches gut erkennbar im Grab 41 aus Emona, Titova-Cesta vorliegt. Bei den andern Messern haben sich jeweils nur der Griff oder die Schneide erhalten und es ist schwierig, hier weitere Aussagen sowie eine gesicherte Definition als Federmesser zu wagen. H. Dolenz61 und D. Božicˇ62 weisen sie aber alle den beiden genannten Typen zu, weshalb sie hier mit Vorbehalt in die Zusammenstellung aufgenommen sind.

Die Gräber, welche nur Elemente des Schreibens auf Wachstafeln aufweisen, sind im vorliegenden Material nur mit einem oder zwei Stili ausgestattet. Funde von Schreibtafeln oder Wachsspatel fehlen. Oft handelt es sich um einfache Eisenstili63. Das Stück aus Avenches, En Chaplix Structure 35864 ist mit zwei Bändern geschmückt, hingegen sind bei jenem aus Weil, Grab 4565, an den Griffenden jeweils schmale Bronzeringe eingetrieben. Der Stilus des Grabes 237 aus Favianis/Mautern6. ist aus Bronze mit einer einfachen, unverzierten Form. Aus einem Mädchengrab aus Rom, an der Via Ostiense6., stammen zwei bronzene Stili mit Spuren von Vergoldung. Das Beigabenset wird durch Goldschmuck ergänzt.

Bronzestili lagen auch im reich ausgestatteten Grab der Antestia Marciana aus Aquileia68. Ein Schmuckkästchen mit verschiebbarem Deckel, verschiedene Früchte und ein Fläschchen aus Bernstein, Haarnadeln und ein Stab aus Knochen sowie Glasobjekte belegen den gehobenen Stand der Bestatteten. Der Sarkophag der Toten trägt die Inschrift:

HAVE · ANTESTIA · MARCIANE IN PERPETVO · NOMINANDA

QVAE VIX · ANN · XII · MENS · I · DIES · XXV M · ANTISTIVS · MARCIANVS · ET · VERGILIA · FORTVNATA PARENTES · DVLCISSIMAE69

Diese Inschrift ist singulär im behandelten Material; kein anderes Grab war auf diese Weise markiert.

Es fällt auf, dass die vier Gräber aus Italien alle sehr reich ausgestattet wurden und für das Schreibgerät teurere Materialien wie Bronze, Silber oder Elfenbein verwendet worden sind.

Schliesslich liegen vierzehn Gräber vor, die Werkzeuge zum Schreiben sowohl in Wachs als auch mit Tinte aufweisen. Gleich drei reich ausgestattete Frauengräber mit Schreibgerätbeigaben stammen aus der Nekropole von Nijmegen7.. Grab 9 und 11 weisen jeweils ein Bronzetintenfass, drei Eisenstili, zwei bzw. einen nadelförmigen Stift, einen eisernen Wachsspatel und ein Eisenmesser auf. Bis auf das Tintenfass sind diese bei beiden Bestattungen zusammen mit einem Knochenspatel, möglicherweise einem Lineal, zusammenkorrodiert, was ein Hinweis auf ein gemeinsames Etui sein könnte. Die Stili und Wachsspatel belegen das Schreiben auf Wachstafeln. In einigen Buchenholzresten aus Grab 9 lässt sich eine solche möglicherweise sogar noch fassen. Es könnte sich aber auch um die Reste eines kleinen Kästchens handeln. Ergänzt werden die Ensembles mit Essund Trinkgeschirr und Öllampen. Im ausserordentlich reichen Grab 9 befanden sich ausserdem Reste eines hölzernen Klappstuhls und ein Bergkristallring sowie Toilettengerät.

Das Schreibgerätensemble aus Grab 1 unterscheidet sich nur in der etwas geringeren Anzahl an Schreibgriffeln (zwei statt drei und ohne nadelförmigen Stift) und dem fehlenden Knochenspatel von den anderen beiden. Auch die weiteren Beigaben sind vergleichbar.

Ein ähnliches Spektrum zeigt das Grab 3475 aus Krefeld-Gellep71. Die drei Eisenstili, einer davon mit einer Messingtauschierung, und das zylindrische Tintenfass belegen beide Schrifttechniken. Das Tintenfass besitzt eine kreisrunde Öffnung, welche mit einer drehbaren Klappe verschlossen werden konnte. An den beiden abstehenden Stegen könnten Schreibfedern oder allenfalls Stili befestigt gewesen sein, wie das auch bei den Tintenfässern aus Köln der Fall war72. Das eiserne Klappmesser mit hölzernem Griff diente vielleicht zum Anschneiden der Schreibfeder. Das Schreibgerät war zusammen mit Schmuck, einem Spiegel und einer Strigilis in einem hölzernen Kästchen untergebracht73.

Die zwei Brandgräber aus Köln weisen einige Gemeinsamkeiten auf. Bei beiden waren ein Tintenfass und zwei Eisenstifte beigegeben worden. Bei der Freilegung des Grabes an der Luxemburgerstrasse waren diese Stifte noch eng mit dem Tintenfass verbunden. J. Hagen74 interpretiert sie als Röhren für das Schreibgerät. Wie D. von Boeselager mithilfe von Röntgenaufnahmen eines vergleichbaren Fundes zeigen kann, handelt es sich um Eisenstili, welche stark korrodiert und deshalb fest am Tintenfässchen haften geblieben sind. Im Rost sind noch Spuren eines Lederetuis zu erkennen75. Die Stili waren in unbekannter Weise an zwei waagerechten Stegen befestigt. Diese sind auch beim Tintenfass aus der Aschekiste vom Friesenplatz und beim oben erwähnten Grab 3475 aus Krefeld-Gellep nachgewiesen. An einem der beiden Eisenstifte vom Friesenplatz erkannte D. von Boeselager76 in der Rostschicht noch die Abdruckstelle der Halterung und konnte ihn an dieser Stelle wieder am Tintenfässchen anpassen77.

Bei diesen Gräbern sind also Tintenfass und Schreibgriffel, die jeweils typischen Vertreter der zwei Schriftarten, sehr eng miteinander verbunden. Schreibfedern konnten keine nachgewiesen werden, doch ist es wahrscheinlich, dass sie aus vergänglichem Schilfrohr waren und sich deshalb nicht erhalten haben78.

Die Gräber wurden nicht anthropologisch untersucht, da jedoch beide beinerne Kästchenbeschläge und einen Salbenreibstein aufweisen, lassen sie sich als (eher) weiblich klassifizieren79.

Auch im Grab 75 aus dem stadtrömischen Gräberfeld Boccone d’Aste80 sind verschiedene Beigaben in einem Holzkästchen, hier mit Silberschloss, deponiert worden. Das Kästchen befand sich zu Füssen der Verstorbenen. Darin war ein Röhrchen aus Silber mit einem Deckel und einer seitlich angebrachten Öse. R. Ambs und A. Faber81 benennen das Objekt als Tintenfässchen, an welches seitlich ein spitzes Stäbchen eingehängt gewesen sei, vielleicht eine Schreibfeder oder ein Stilus. Auf der publizierten Abbildung ist nur schwer zu erkennen, worum es sich bei diesem Stäbchen wirklich handelt und ob es überhaupt ein eigenständiges Objekt ist. Es ist ebenso wahrscheinlich, dass es sich bei dem Röhrchen um einen Behälter handelt, wie das auch F. di Gennaro und M. De Filippis8. vorschlagen. Mit 1.6 cm Durchmesser und 8.2 cm Länge unterscheidet es sich von den Dimensionen her stark von den andern hier vorgelegten Tintenfässchen, welche eine gedrungenere Form zeigen8.. Mehrere ebenfalls silberne Objekte werden von F. di Gennaro und M. De Filippis als Verschluss eines Holzkästchens angesprochen. Sie könnten aber auch zum Verschluss eines Tintenfasses gehören84.

Ein Ensemble aus Schreibgriffel und Tintenfass ist auch im Grab 4ab aus Günzenhausen85 nachgewiesen. Die Zuweisung ist hier nicht unproblematisch, da zwei Individuen bestattet waren und sich die Grabbereiche im Befund nicht trennen lassen. Die Funde sind zwar jeweils der einen Urne zugeordnet worden, dies lässt sich aber nicht sicher bestätigen. Aufgrund der untersuchten Knochen lässt sich Grab 4a einer juvenilen Person ohne Geschlechtsangabe zuweisen, Grab 4b hingegen einer frühmaturen, eher weiblichen. Sowohl der einfache Eisenstilus, als auch das bronzene Tintenfass mit dem gestempelten Meisterzeichen EX · OFI · VM werden dem Bereich der Bestattung 4a zugeordnet. Aufgrund des Befundes lässt sich weder ausschliessen noch bestätigen, dass die Objekte mit einer weiblichen Person in Verbindung zu bringen sind86.

Ohne Tintenfass, dafür mit mindestens zwei eisernen Schreibfedern und zahlreichen weiteren Beigaben, ist das Grab 2 aus Nersingen-Unterfahlheim ausgestattet8.. Hervorzuheben sind vor allem vier reinsilberne Stili, von denen zwei mit einem Astragal und einer mit unregelmässiger Riefung verziert sind und einer eine gefaste Oberfläche aufweist. Ihre Spitzen sind abgebrochen, die Spatelenden aber noch zu erkennen. Da sie alle miteinander verschmolzen sind, waren sie wohl in einem Etui untergebracht, welches bei der Kremation verbrannte. Eine massive Löwenkopftülle aus Bronze könnte vielleicht ein Messergriff und als solcher Teil des Schreibgeräts gewesen sein. Auch die plastischen Beinfragmente lassen sich nur hypothetisch als Teile von Schreibgerät ansprechen88.

Zwei ziemlich dicke eiserne Stili und ein Bronzemesser mit Eisengriff mit fischblasenartiger Aussparung aus Winchester, Grab 289 belegen die Schreibgerätbeigabe in England. Der vorliegende Spachtel entspricht nicht der bisher angetroffenen dreieckigen Form, könnte aber trotzdem zum Verstreichen von Wachs gebraucht worden sein. Für die bronzene Siegelkapsel sind mehrere exakte Parallelen bekannt.

Ihre Funktion im Grabkontext lässt sich heute nicht mehr bestimmen90. Das Grab ist reich mit Trinkgeschirr ausgestattet, was M. Biddle91 in der Kombination mit den Stili und den Spielsteinen zur Interpretation einer männlichen Bestattung bringt. Die anthropologische Bestimmung ergab aufgrund der feinen Knochen eine immature oder eine feingliedrige weibliche Person. Trinkgeschirr, wenn auch in geringerem Masse, und Spielsteine treten auch in weiblichen Bestattungen auf, wie Tab. 1 zeigt. Die Beigaben lassen sich nicht abschliessend einem Geschlecht zuordnen.

Gräber, welche von den Schreibgeräten für Tinte als einzigen Vertreter ein Federmesser aufweisen, sind nur mit Vorsicht zu den doppelten Schreibgarnituren zu zählen, da die Messer nicht ausschliesslich zum Anschneiden der Federn benutzt wurden. Ein solcher Fall ist die Brandbestattung einer Frau aus Badenheim in Grab 4392.

Vom Eisenmesser ist nur die (fragmentierte) Klinge vorhanden. Der eiserne Wachsspachtel und der Stilus belegen dagegen das Schreiben auf Wachstafeln93. Auch hier wurden Essund Trinkgeschirr beigegeben, ebenso wie eine Eisenschere. Das Grab aus tiberischer Zeit belegt schon früh die Verwendung der römischen Schrift im einheimischen Milieu94.

Ebenfalls recht früh, und zwar in die Zeit kurz nach 50 n. Chr., datiert das Grab 90 aus Hérapel95. Die anthropologische Bestimmung als Frau wird von den Beigaben bestätigt96. Ein Stilus aus Eisen und ein kleines Messer mit fischblasenartiger Aussparung belegen die Schreibtätigkeit. Essund Trinkgeschirr aus Terra Nigra, Terra Rubra, Terra Sigillata und Gebrauchskeramik sowie eine Eisenschere runden das Beigabenspektrum ab.

In einem Brandgrab aus Nîmes97 hat sich ein aussergewöhnliches Polyptychon erhalten. Es besteht aus sieben Tafeln aus Knochen, von denen fünf auf beiden Seiten für die Aufnahme von Wachs eingetieft sind. Die Decktäfelchen sind mit 4 mm dicker als die andern und nur auf der innenliegenden Seite tiefer gearbeitet. Eines davon, wohl die Frontseite, ist durch einen Steg horizontal in zwei ungleich grosse Bereiche geteilt, wobei der kleinere oben liegt. Vielleicht wurde hier ein Name oder Titel eingetragen. Zwei Löcher an der Längsseite belegen die Bindung der Tafeln98.

Ein ganz aussergewöhnliches Grab ist das sog. Kindergrab des Berliner Arztes aus Rom99. Fast 140 Objekte wurden beigeben100. Zwei aus Bronze gegossene Tintenfässer belegen das Schreiben mit Tinte. Die Deckel sind nicht erhalten, waren aber wohl mit einem Scharnier befestigt. Die Lötspuren an der Wandung lassen G. Platz-Horster auf Henkel schliessen, es könnte sich aber auch um ein Doppeltintenfass gehandelt haben101. Im Grab hat sich auch eine elfenbeinerne Wachstafel erhalten, ein seltener Fund. Sie ist auf beiden Seiten eingetieft mit je einer kleinen viereckigen Erhebung in der Mitte. Das und die drei Paare feiner Löcher im seitlichen Rand zeigen, dass sie ursprünglich zu einem Triptychon gehörte. Die Miniaturgefässe, welche keine kompletten Geschirrsätze bilden und in unterschiedlicher Qualität und Technik gearbeitet sind, sowie die Fingerringe führen G. Platz-Horster102 zur Annahme einer Bestattung einer jungen erwachsenen Frau.

Auffällig ist das recht ausgeglichene Bild: Zehn Gräber sind mit Instrumenten für das Schreiben mit Tinte ausgestattet, zwölf mit solchen zum Einritzen in Wachs und vierzehn mit Elementen beider Techniken. Chronologische Tendenzen zur Verteilung lassen sich kaum ausmachen. Es fällt aber auf, dass der grösste Teil der Gräber in das 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. datiert. Auch scheinen viele der Gräber in der Nähe des obergermanisch-raetischen bzw. des Donau-Limes zu liegen103. Ob hier ein direkter Zusammenhang besteht oder bloss der Forschungsstand wiedergegeben wird, müsste anhand von weiteren Funden überprüft werden.

Die Schreibgerätfunde aus Frauenbestattungen stammen alle aus relativ reichen Gräbern, was einen Hinweis auf die schriftkundige Bevölkerung gibt. Die Elfenbeinkästchen, Silberspiegel, Goldund Bernsteinbeigaben zeugen von grossem Reichtum. Da aber in einfacheren Gräbern manchmal keine geschlechtsspezifischen Beigaben vorhanden sind und beispielsweise ein einfacher, stark korrodierter Stilus auch nicht immer als solcher erkannt werden kann, lässt sich nicht ausschliessen, dass auch Frauen, welche nicht der Oberschicht angehörten, mit Schreibgeräten bestattet wurden. Ausserdem ist anzunehmen, dass weniger wohlhabende Leute eher Schreibgeräte aus günstigeren, organischen Materialien benutzten.

Die Beigabe von Stilus, Schreibfeder und Ähnlichem belegt Wichtigkeit und Bedeutung der Schreibfähigkeit für die verstorbene Person. Anders als bei Grabdarstellungen, bei welchen Stilus-Darstellungen oft nur als Symbol für Bildung104 angesehen werden, gibt es bei den Grabbeigaben einen direkten Bezug zu der verstorbenen Person. Besonders wenn das Schreibgerät in einem Kästchen beigegegeben war105, konnte es nicht bloss Repräsentationszwecken dienen, da es während der Bestattungszeremonie gar nicht sichtbar war. Es musste also eine ganz individuelle Bedeutung gehabt haben. Im Umkehrschluss kann man aber nicht einfach annehmen, dass fehlende Schreibmaterialbeigaben auf einen fehlenden Bezug der Verstorbenen zur Schrift hinweisen.

GESCHRIEBENES VON FRAUEN

Neben den Schreibgeräten lassen sich auch Textzeugnisse auf weibliche ‘Autoren’ zurückführen. Die einfachste Form ist dabei das Anbringen des eigenen Namens auf einem Objekt. Seit der archaischen Zeit gehören Personennamen zu den ältesten und häufigsten Graffiti im Mittelmeergebiet106 und sind auch in den römischen Provinzen aus allen Gesellschaftsschichten belegt107. Mit ihnen lassen sich zwar Aussagen über die betreffende Person machen, etwa über ihre Herkunft, doch als Quellen zum Grad der Literalität sind sie nur bedingt zu nutzen. Sie belegen zwar die Bekanntheit der Schrift, doch setzen sie weder Grammatik noch Vokabular voraus.

Die in der römischen Gesellschaft weit verbreiteten Briefe sind da sehr viel anspruchsvoller108. Sie wurden vom Absender selbst oder von einem Sekretär oder Schreiber auf Papyrus, Wachstäfelchen oder Holzplättchen geschrieben109. Aus dem römischen Legionslager von Vindolanda (GB) sind sechs mit Tinte auf Holztäfelchen geschriebene Briefe erhalten, die die Korrespondenz von Frauen belegen110. Mehrere davon weisen dieselbe Handschrift auf, welche auch auf weiteren Täfelchen erhalten ist. Sie gehörte wohl einem Schreiber. Besonders interessant sind die Grussworte, welche bei einigen Täfelchen in einer anderen Handschrift zum Schluss des Textes angefügt sind. Vermutlich wurden sie von Claudia Severa, der Absenderin, persönlich angefügt. Auch die Empfängerin war weiblich111. Im Militär und somit auch in dessen Umfeld ist mit einer erhöhten Verbreitung der Schrift zu rechnen112. Ausserdem waren die Erhaltungsbedingungen in Vindolanda besonders günstig. Ob solche Briefwechsel auch in Zivilsiedlungen vorhanden waren, wird sich vielleicht mit weiteren Grabungen zeigen.

Auch bei den weit verbreiteten Graffiti auf römischen Hauswänden gibt es solche, welche weibliche Urheberinnen haben. Erkennbar sind diese nur, wenn die ‘Sprecherin’ angegeben ist; ein Literaturzitat oder Alphabet lässt sich nicht zuweisen. Aus der repräsentativen Auswahl von 1000 Stück durch V. Hunink113 lassen sich neun114 als Grussworte von Frauen und vier115 allgemein als ‘von Frauen gesprochen’ klassifizieren. Dem stehen 43 Inschriften, welche eine Frau grüssen, gegenüber116. Dazu kommen 17 weitere Inschriften, welche Frauen ansprechen oder zu etwas auffordern117. Von Frauen selbst geschriebene Texte machen also einen relativ geringen Teil der Wandinschriften aus, belegen aber mit der deutlich grösseren Zahl von an sie gerichteten Botschaften, dass auch für sie das Kommunizieren über die Wände nicht unüblich gewesen sein wird. Aufgrund der lebensnahen und spontanen Inhalte scheinen die Texte nicht auswendig gelernt oder im Auftrag anderer Personen verfasst worden zu sein, wie S. Mano118 feststellt. Möglicherweise handelte es sich um Mädchen, welche nicht zur Oberschicht gehörten. Jene hatten zwar die grösste Chance auf eine Ausbildung in Lesen und Schreiben, waren aber ausserhalb des Hauses fast immer unter Aufsicht und hatten so wenig Gelegenheiten, ihre Gedanken auf den Wänden zu verewigen. Einige Inschriften lassen sich ausserdem klar dem Gebiet der käuflichen Liebe zuweisen119.

GESCHRIEBENES FÜR FRAUEN

Von den zahlreichen im Römischen Reich bekannten Alltagsgegenständen mit Inschriften gibt es eine ganze Reihe von Objekten und Objektgruppen, die sich mit Frauen in Verbindung bringen lassen. Das sind zum einen solche, die der weiblichen Sphäre zuzuordnen sind wie Spinnwirtel, Webgewichte oder Spiegel und andererseits solche, die sich mit ihrer Inschrift direkt an eine Frau wenden oder sich auf sie zurückführen lassen. Ihnen allen gemeinsam ist die Tatsache, dass sie von Handwerkern während des Herstellungsprozesses beschrieben wurden, aber mit einiger Wahrscheinlichkeit von den Frauen gelesen werden konnten.

Eine kleine Gruppe von 26 Schiefer-Spinnwirteln aus dem Zeitraum des 1. – 3. Jahrhundert n. Chr. wurde in Autun hergestellt und an verschiedenen Orten, grösstenteils im zentralen Gallien gefunden120. Die meist bikonischen Objekte sind in zwei umlaufenden Zeilen mit lateinischen Grossbuchstaben beschrieben. Sie sind in rein lateinischer, in lateinisch-gallisch-gemischter oder in rein gallischer Sprache geschrieben und teilweise mehrdeutig.

Die lateinischen Inschriften sind relativ einfach zu lesen. Sie wenden sich mit Grussworten (SALVE, AVE), einem Kompliment (BELLA TU) oder einer Aufforderung (AC­ CEDE – komm her) direkt an die weibliche Besitzerin. Manche Wörter besitzen aber eine zusätzliche Bedeutung als Eigenname, beispielsweise BELLA. Spinnwirtelinschriften, welche gallisch/keltische und lateinische Wörter beinhalten, bieten mehrere Lesemöglichkeiten: Da manche Wörter sowohl keltisch als auch lateinisch gelesen werden können und zusätzlich auch als Personennamen belegt sind, bietet sich eine Fülle von Wortspielen an. Das Beispiel der Textzeile NATA VIMPI121 zeigt dies schön: Nata ist eine Variante von Gnatha für Mädchen, was ebenfalls auf den Spinnwirteln belegt ist, und kann auf gallisch auch Faden/Garn bedeuten122. Vimpi leitet sich vom gallischen gwymp für hübsch/schön ab und kann als Adjektiv oder Substantiv verwendet werden. Zudem ist Vimpus als gallischer männlicher Eigenname belegt, der hier im Genitiv steht. Gemeint ist also des Vimpus, was meist mit Tochter umschrieben wird. Möglich wäre ausserdem eine Imperativform von spinnen123. So ergeben sich für die Einfache

gallische Wortfolge NATA VIMPI folgende Lesearten: Schönes Mädchen. Nata, meine Schöne oder schöne Nata. Nata, Tochter des Vimpus (ergänzt aus Nata des Vimpus) und Spinne deine Fäden/dein Garn. Diese wurde mit einer zweiten Textzeile ergänzt, beispielsweise POTA VI(NV)M . trinke Kraft oder (ergänzt) trinke Wein oder als vergangene Form ich wollte trinken124.

Abb. 3 S-förmige Fibel aus einem Grab aus Treignes mit der Inschrift ESCIPE SI AMAS

Das Spektrum der kleinen Inschriften reicht von einfachen Grussworten, der Sphäre des Spinnens über den bacchischen Kontext hin zur Liebeswerbung und eindeutig erotischen Texten. Durch die Mischung der Sprachen und das bewusste Offenlassen von Adressat und Empfänger werden sie sehr mehrdeutig und waren wohl schon in der Antike nicht ganz einfach zu verstehen.

Ein ähnliches Phänomen lässt sich bei den zahlreichen Kleininschriften auf Schmuckgegenständen wie Fibeln oder Ringen beobachten125. Auch hier gibt es einfache Grussworte, kleine Texte aus der Liebeswerbung oder solche mit erotischem Inhalt. Vermutlich handelt es sich hierbei um Geschenke zwischen Mann und Frau, wobei nicht immer klar ist, welches Geschlecht die schenkende und welches die empfangende Person hat. Ein sehr schönes Beispiel ist eine S-förmige Fibel aus einem Grab aus Treignes (Abb. 3)126. Sie wurde als Teil eines Fibelpaares gefunden und gehörte somit vermutlich zur Tracht einer Frau. Die Inschrift ESCIPE SI AMAS . Nimm [es] an, wenn du [mich] liebst zeigt schön die Funktion als Liebespfand. Inschriften dieses Typs sind bei Geschenken zwischen Männern im Römischen Reich nicht zu erwarten. Bei einem Geschenk zwischen Mann und Frau ist aber anzunehmen, dass beide Parteien die Inschrift lesen konnten. Ansonsten wäre der höhere Preis, welcher sicher durch den zusätzlichen handwerklichen Aufwand verursacht wurde, nicht gerechtfertigt gewesen. Ein rein dekorativer Charakter der Schrift erscheint wegen der geringen Buchstabengrösse und der Anbringungsweise wenig wahrscheinlich. So können diese Kleinobjekte, auch wenn sie sich nicht immer zweifelsfrei als ‘Geschriebenes für Frauen’ einordnen lassen, doch einen Hinweis auf die Lesefähigkeit geben.

Über die soziale Stellung der Besitzer lässt sich nur wenig aussagen. Einzig für die doppeldeutigen Inschriften aus dem bacchisch-erotischen Kontext wurden Schankmädchen vorgeschlagen, welche von ihren Kunden beschenkt worden waren. Auch diese Meinung blieb aber nicht ohne Gegenstimmen127. Gerade die in Autun hergestellten Spinnwirtel, welche bis in die Schweiz und nach Österreich exportiert wurden, aber auch die Schmuckobjekte zeigen, dass es sich hier wohl nicht um einfache Alltagsgegenstände, sondern um wertvolle Kleinobjekte gehandelt hat. Trotzdem kann man nicht ohne weiteres auf die Oberschicht schliessen. Ein Goldarmband in Form einer Schlange aus Pompeji trägt auf der Innenseite die Inschrift DOM(I)NV? ANCILLIAE SVAE, ist also eine Widmungsinschrift des Herrn an seine Sklavin128. Die Frau, welche es zum Zeitpunkt ihres Todes getragen hat, wurde in einer Taverne gefunden, was P. G. Guzzo und V. Scarano Ussani129 veranlasste, sie als Prostituierte anzusprechen. Auch Prestigeobjekte lassen also nicht immer einen Schluss auf den sozialen Stand der Besitzer zu.


Abb. 3
S-förmige Fibel aus einem Grab aus Treignes mit der Inschrift ESCIPE SI AMAS

ZUR LITERALITÄT

Die Forschungsmeinungen zur Verbreitung der Schreibund Lesefähigkeit der römischen Gesamtbevölkerung variieren sehr stark. Sie reichen von unter 15 % im römischen Italien und generell unter 5–10 % in den westlichen Provinzen130 zu der Annahme, dass »die Inschriften von der Masse der einheimischen Bevölkerung gelesen und verstanden werden konnten«131.

Bei der Betrachtung der bekannten Schriftträger fällt auf, dass diese aus den unterschiedlichsten Bereichen stammen: Steininschriften mit politischen oder gesetzlichen Inhalten, Grabinschriften, welche von Privatpersonen angefertigt wurden, Graffiti auf Wänden, Inschriften auf Alltagsgegenständen und Handelswaren, Briefe und weitere Objekte. Zusammen mit dem Wissen um den sehr unterschiedlichen Bildungsgrad, welchen das römische Schulsystem nach sich zog – je nachdem, wo und in welcher sozialen Schicht eine Person gelebt hat – lässt diese Vielfalt darauf schliessen, dass auch die Literalität verschiedene Facetten aufweist.

Die Vielfalt der hier behandelten Objekte lässt sich nur schwer einer spezifischen Personengruppe oder sozialen Schicht zuweisen. Die Briefe aus Vindolanda stammen aus dem Milieu der militärischen Elite und auch die reich ausgestatteten Gräber weisen auf eine gehobene Schicht. Mit den Grabinschriften der Sklavinnen aus Rom und mindestens einer Wandinschrift einer Prostituierten sind aber auch die untersten Schichten als leseund schreibfähige Individuen erfasst. Freigelassene zählen nur bedingt zu dieser Gruppe, da sie zwar von niederem Rang, aber trotzdem vermögend sein konnten. Beschriftete Kleinobjekte aus den Provinzen besitzen im Vergleich zu unbeschrifteten einen gewissen Mehrwert, auch materieller Art. Es gibt aber keine Hinweise, dass sie dadurch nur für Reiche erschwinglich gewesen wären. Auch heute gibt man zu speziellen Anlässen gerne etwas mehr Geld aus, um sich dafür etwas ganz Spezielles zu leisten. So ist etwa ein Diamantring zur Verlobung kaum eine Referenz zum sonstigen Schmuck einer Frau oder allgemein ihrem gehobenen Lebensstandard. Vielleicht wurden auch die beschrifteten Spinnwirtel oder Spiegel als etwas Exklusives für eine besondere Gelegenheit gekauft. Es gibt also aus allen sozialen Schichten Hinweise auf lesende und schreibende Frauen, wobei die privilegierteren Schichten stärker vertreten sind.

Daraus auf den allgemeinen Alphabetisierungsgrad zu schliessen, ist schwierig. Aufgrund seiner Untersuchung von Inschriften auf Kleinobjekten kommt W. V. Harris zum Schluss, dass vor allem Leute aus den höheren Schichten, dem Militär und solche mit Verbindungen zum Handel lesen und schreiben konnten und dass sich ihre Fähigkeiten auf ihr jeweiliges Fachgebiet beschränkt hätten132. Dieser Meinung kann nicht uneingeschränkt zugestimmt werden, da er sich ausschliesslich auf Herstellermarken und andere kurze Texte aus der Grossproduktion wie Amphorenmarkierungen konzentriert. Die zahlreichen Schmuckgegenstände, nachträglich angebrachten Besitzermarkierungen und weiteren Inschriften aus dem privaten Umfeld werden nicht behandelt. Dass sie aber in nicht geringer Zahl vorhanden waren, konnte die vorliegende Untersuchung zeigen. Der grössere Arbeitsaufwand und die daraus folgende Wertsteigerung weisen meiner Meinung nach darauf hin, dass den kurzen Texten durchaus eine Bedeutung zugestanden wurde. Es handelt sich bei ihnen gerade nicht um fachspezifische Inhalte, sondern um Schrift im Alltag. Grüsse auf Briefen und Komplimente auf Schmuckstücken wollten gelesen werden, auch wenn sie keinen konkreten Nutzen haben. C. Öllerer geht dagegen für das Gebiet des heutigen Österreichs in römischer Zeit von einem höheren Alphabetisierungsgrad aus133. Er hat insbesondere auch Schreibgeräte, ihre Fundorte und Kleinobjekte mit Inschriften untersucht. Da diese, wie auch die Steininschriften im betreffenden Gebiet, zahlreiche Fehler aufwiesen, waren zwar vermutlich die Buchstaben und die grundlegende Grammatik bekannt, die Schreibweise aber relativ individuell gehandhabt worden. Man kann hier von einer Literalität mit konkretem Nutzen ausgehen, welche weniger auf eine intellektuelle Bildung ausgelegt war. Das Verstehen von kurzen Texten im Alltag war entscheidend, nicht das Studium von Philosophen und Dichtern.

In diesen Bereich lassen sich auch die Schriftträger für und Schreibgeräte von Frauen einordnen, welche hier behandelt wurden. Weniger als Zeichen einer hochstehenden literarischen Bildung, als vielmehr einer Schriftlichkeit im Alltag, welche ursprünglich einen konkreten Zweck verfolgte und später auch für kleine Botschaften im privaten Rahmen benutzt wurde.

Mit der Bearbeitung von weiteren Grabkontexten und der Ausweitung der Untersuchung auf zusätzliche Materialgattungen soll im Rahmen meiner Dissertation an der Universität Bern das Phänomen der Frauen, die Lesen und Schreiben konnten, weiter erforscht werden.



Ta b. 1

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2. Salve Domina. Hinweise auf lesende und schreibende Frauen im Römischen Reich, eingereicht im HS 2012 an der Universität Bern.
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4. Galsterer 1999, 38 führt dieses Fremdwort ein, da das englische ‘Literacy’ im Deutschen keine direk-te Entsprechung findet. Es bezeichnet die ‘Fähigkeit zu lesen und zu schreiben’. Der deutsche Begriff der Schriftlichkeit erfasst diese Facetten nur zum Teil und kann deshalb nicht verwendet werden.
5. Weder Schreibgerät noch beschriftete Kleinobjekte wurden bisher speziell auf die Lesebzw. Schreib-kenntnis von Frauen untersucht.
6. Hemelrijk 1999, 17, 20f.; marrou 1957 erwähnt Mädchen in Schulen nur en passant, so auch bonner1977 und reggiani 1990. Bei rawson 2003, 197–209 nehmen sie immerhin ein eigenes Unterkapitel ein. Die umfassendste Untersuchung legt hemelrijk 1999, 17–96 vor, welche sich hauptsächlich mit stadtrömischen Mädchen der Oberschicht auseinandersetzt sowie ihre Ausbildung, die öffentliche Meinung dazu und ihr aktives Wirken in Kultur und Literatur untersucht.
8. Bei hemelrijk 1999, 230f. Anm. 20: Juv. 14, 209; Hor. Sat. 1, 10, 91. Die meisten Autoren lebten per-manent oder zumindest zeitweise in Rom.
9. Liv. 3, 44.
10. Dion. Hal. Ant. 11, 28.
11. Meist wurden Kinder, auch Mädchen, von einem paedagogus oder einer paedagoga zur Schule beglei-tet. Diese konnten aber auch eine Rolle als Hauslehrer einnehmen. CIL VI 2210. 6327. 6330. 9754. CIL X 6561 nennen männliche Pädagogen von Mädchen, CIL VI 33787 eine weibliche paedagoga, ebenfalls für ein Mädchen. Siehe rawson 2003, 198f.
12. Hemelrijk 1999, 28f. Ab zwölf waren Mädchen im heiratsfähigen Alter, im Laufe der nächsten drei Jahre dann meist verheiratet.
13. Liv. 3, 44: Virgini venienti in forum — ibi namque in tabernaculis litterarum ludi erant.
14. In die Elementarschule (ludus litterarius) kamen die Kinder mit ungefähr sieben Jahren. Dor t lernten sie das Lesen, Schreiben und Rechnen. Mit 12 bis 15 oder 17 Jahren gingen sie dann nach Möglichkeit in den höheren Unterricht bei einem Grammatiker. Lehrstoff war vor allem die lateinische und griechi-sche Literatur. Die dritte Unterrichtsstufe war schliesslich der Rhetorik-Unterricht. Grundlegend zur Schulbildung und Erziehung: marrou 1957; bonner 197 7; reggiani 1990. Die historischen Quellen beschäftigen sich überwiegend mit Rom.
15. Hemelrijk 1999, 230 Anm. 20; rawson 20 03, 16 4.
16. Mar t. Ep. 3, 69, 8; Mar t. Ep. 8, 3, 15–16; Mar t. Ep. 9, 68, 2.
17. Remelrijk 1999, 21f.; Cic. Att. 12, 33; Plin. Ep. 5, 16. In beiden Fällen ist von einem paedagogus die Rede. Ausführlicher werden die Pädagogen oben in Anm. 11 behandelt.
18. Rawson 2003, 144f.; harlow – laurence 2002, 54–64; hemelrijk 1999, 20f.
19. Hemelrijk 1999, 31–57. So trug etwa Plinius mit seinem Werk zur Bildung seiner Frau Calpurnia bei, cf. Plin. Ep. 4, 19. All diese Faktoren hingen stark von den Interessen des Ehemanns und vom Wohlstand der Familie ab. Sie sind wohl sehr unterschiedlich gewesen, womit sich kein allgemeiner Bildungsstan-dard für Mädchen der Oberschicht festlegen lässt. Wie hemelrijk 1999, 72–75 zeigt, übernahmen wohlhabende Ver treter der unteren Schichten (sub­élite) die Merkmale der Bildung, welche in der Oberschicht bereits seit dem 2. Jahrhunder t v. Chr. Aufgekommen und von Anfang an auf einige wohlhabende Frauen übertragen worden waren.
20. Hemelrijk 1999, 9f.
21. Hemelrijk 1999, 71; galsterer 1999, 47 stellt fest, dass die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben häufi-ger und in grösserem Masse auftrat, je höher die soziale Schicht war, gleichzeitig aber auch weniger genutzt wurde, da für solche Tätigkeiten Sklaven eingesetzt werden konnten.
22. Kunst 2009, 57 mit antiken Quellen.
23. Hemelrijk 1999, 69f.; harris 1983, 95 nennt die Ausbildung durch die Eltern selbst als weitverbreitete Praxis.
24. Manchmal sind auch die Berufe der Hinterbliebenen genannt, z. B. Wenn diese das Grabmonument errichten liessen.
25. Treggiari 1976, 94; günther 1987, 21 sieht die Nennung eines Berufsnamens als eine negative Aussa-ge, die vermieden werden sollte. Anders Spi ckermann 1994, 435 zur Grabinschrift der Metilia Donata, einer medica (CIL XIII 2019): »Dass sie ihren Beruf ausdrücklich angibt, setzt ebenfalls dessen hohes Prestige voraus«.
26. Eichenauer 1988, 33–41, vor allem 35.
27. Eichenauer 1988; günther 1987.
28. CIL VI 8786. 33273; AE 1928,73. Mano 2006, 6 Anm. 6 nennt ausserdem AE 1968-70-65 als Beleg für eine lectrix, welcher an der angegebenen Stelle aber fehlt.
29. CIL VI 34270. 33830.
30. Dizionario Epigrafico di Antichità Romane 4.2. Labanas-Lambaesis (1946) 497 s.v. Lector/lectrix (E. De Ruggiero – S. Accame); Dizionario Epigrafico di Antichità Romane 1. A–B (1961) 464–465 s.v. Ana­gnostes/anagnostria (L. Cantarelli – E. De Ruggiero). Das Vorlesen beim Bad ist bei Plin. Epist. Paneg. 3, 5, 16 erwähnt, beim Essen bei Plin. Epist. Paneg. 3, 5, 10f. Und Plin. Epist. Paneg. 9, 36, 4. Suet. Aug. 78 berichtet, dass Augustus, wenn sein Schlaf unterbrochen wurde, nach Lesern (lectoribus) und Erzäh-lern (fabulatoribus) schickte. Ein (männlicher) anagnostes/lector konnte sowohl ein Sklave im Haus sein als auch einer, der öffentlich Gedichte vorlas: RE 1 (1894) 2025 s.v. Anagnostes (A . Mau).
31. CIL VI 8693.
32. CIL VI 7373. 9540–9542.
33. Cassius Dio. 65, 14; Sueton Vesp. 3. Inschriften belegen ihre eigene Dienerschaft PIR2 I, 174 Nr. 888, siehe auch chantraine 1967, 305f. Nr. 79–81.
34. Cass. Dio. 65, 14. Antonia gab den Befehl, den Brief auszulöschen, damit keine Spuren bestehen blie-ben, woraufhin Caenis sagte, dass sie alles, was ihr diktier t werde, immer in ihrem Kopf behalte und das es nicht mehr ausgelöscht werden könne. Bei dem Brief handelte es sich um eine Warnung vor Sejanus an Tiberius. Josephus, JW, 17, 182.
35. CIL VI 3979. 8882. 9301. 9525. 33871. 37802. IN 6893. CIL VI 37757 ist sehr stark fragmentier t, weshalb eine Lesung als libraria nicht gesicher t ist. Eichenauer 1988, 103 unterstützt die Deutung, günther 1987, 64 kann sie nicht bestätigen. Aufgrund des geringen Aussagewer ts wird sie hier nicht mitbehandelt.
36. Rossi (Dizionario Epigrafico di Antichità Romane 4.2. Labanas-Lambaesis (1946) 955–965 s.v. Librarius(R.F. Rossi), unterscheidet zwei Arbeitsbereiche: zum einen das Kopieren und Schreiben, zum andern eine Bedeutung wie lanipenda, also eine Wollzuteilerin. Diese zweite Deutung wird in der Literatur kaum verwendet. Siehe günther 1987, 62f. Anm. 79f. Dazu auch haines-eitzen 1998, 638f. Es scheint wahrscheinlicher, dass eine weibliche libraria eine ähnliche Arbeit ausführ te wie ihr männliches Pen-dant, der librarius.
37. RE 13 (1926) 137–139 s.v. Librarius (F. Bilabel).
38. CIL VI 33892.
39. Haines-eitzen 1998, 631f. Mit weiterführender literatur. Zur stenographie siehe auch mcdonnell1996, 474 anm. 23. 477 anm. 37. Stenographie ist der moderne begriff für die schnellschrifttechnik, in der antike wurde tachygraphie verwendet. Benutzt wurde sie von den notarii und exceptores (griech. Sêmeiográphoi und tachygráphoi) in privaten bereichen und vor allem der kaiserlichen verwaltung und der rechtspraxis. Dnp 11 (2001) 1205–1208 s.v. Tachygraphie (n. Giovè marchioli – g. Menci).
40. CIL VI 4434.
41. Um Neuanschaffungen und die Instandhaltung des Gebäudes selbst kümmer ten sich andere Sklaven. Houston 2002, 148f. 153.
42. Zu den Lehrmethoden siehe bonner 197 7, 167–18 8 .
43. Günther 1987, 67. CIL VI 3979 und 9447 nennen einen lector, CIL VI 1063 und 1064 einen acroama­ticus. Auch in CIL VI 33368 ist eine Auflösung des lect. Zu lecticarius möglich.
44. Günther 1987, 67.
45. Nach günther 1987, 6 4f.
46. Eine Ausnahme bildet die libraria Vergilia Euphrosyne, (CIL VI 37802), die möglicherweise für einen Mann tätig war. Die Inschrift könnte aber auch von der libraria Euphrosyne für Vergilia, Freigelassene des Caius, errichtet worden sein. Die Herrschaft von Lexis (CIL VI 34270) lässt sich nicht mehr be-stimmen.
47. Anthropologische Untersuchungen wurden nur selten durchgeführ t und liegen nur bei 9 der hier behandelten Gräber vor: Nijmegen, Grab 1, 9 und 11 (siehe koster 2013, 201); Hérapel, Grab 90 (siehe hoffmann 1997, 105); Avenches Structures 162, 358, 310 (eventuell weiblich) (siehe castellaetal. 1999, 239. 285. 310); Weil, Grab 50 (eher Frauen im Alter von 40–50 Jahren) (siehe ASS kamp1989, 57); Winchester, Grab 2 (siehe biddle 1967, 231). Die restlichen Gräber wurden anhand der frauenspezifischen Beigaben zugewiesen: Spiegel, Spinnwir teln, Kästchen, Fibelpaare sowie die Kom-bination von mehreren Fibeln, welche typisch für die weitverbreitete Frauentracht war. Die Auswahl soll ein möglichst breites räumliches und zeitliches Spektrum abdecken. Oft handelt es sich um einzeln publizier te Gräber, wodurch sich keine Rückschlüsse auf den prozentualen Anteil der weiblichen Bestattungen mit Schreibgerät ziehen lassen. Hinzu kommt, dass bei einfacheren Bestattungen mit wenigen Beigaben häufig keine Geschlechterzuweisungen möglich sind.
48. Gaitzsch 1984, 190 (mit Angaben von älterer Literatur) nennt Funde und die Erwähnungen bei antiken Autoren, dass Wachstafeln aus Ahorn, Buchsbaum, Zypresse, Kiefer, Linde, Pinie und Tanne gefer tigt wurden. Solche aus Elfenbein und Knochen sind bei bozˇicˇ – Feugère 2004, 22 genannt.
49. BozˇiCˇ – Feugère 2004, 37; DNP 4 (1998) 455f. S.v. Feder (R. Hurschmann). Ursprünglich war der sog. Calamus aus Schilfrohr, welches aus Ägypten, Knidos oder dem Gebiet am anaitischen See impor tier t worden ist.
50. Hintermann 2000, 91. 124–126. 332 Taf. 159–161; bozˇicˇ 20 01b.
51. BozˇiCˇ 2001b. Auch hintermann 2000, 91 nennt die mögliche Interpretation als Tintenfässchen, will sich aber aufgrund des fehlenden Deckels nicht darauf festlegen und bevorzugt im Katalog die Be-zeichnung als Pyxis.
52. Hintermann 2000, 125f. Auch die beigegebene Pinzette kann in diesem Sinne verwendet worden sein. Die Reste von Spatelsonden werden dagegen von bozˇicˇ 2001b, 31 als Schreibfederbestandteile identifizier t. Die Zuweisung des Grabes an eine Ärztin unterstützt er.
53. Schwarz 1997, 75 – 86 .
54. Schwarz 1997, 8 0 f.
55. Fünfschilling 2012 , 192 .
56. Pollak 1993, 109. 203 Taf. 32. Das Grab lässt sich innerhalb des Gräberfeldes, welches vom 2. Vier tel des 4. Bis in die Mitte des 5. Jahrhunder t n. Chr. Belegt war, nicht genauer einordnen.Abb. 1Verbreitungskarte der Frauenbestattungen mit Schreibgerätbeigaben
57. Kess ler 1925; Witteyer – fasold 2007, 409–411. Letztere weisen das Grab dem Arkosol-Typus zu.
58. Nierhaus 1966, 57f. 127. 277 Taf. 7f.
59. Dem heutigen Ljubljana. Emona, Nordnekropole, Grab 134 (ple Sni CˇAr-gec 1972, 175 Taf. 36); Nord-nekropole, Grab 544 (ple Sni CˇAr-gec 1972, 227 Taf. 125); Nordnekropole, Grab 653 (ple Sni CˇAr-gec1972, 241 Taf. 150); Titova Cesta, Grab 267 (PETRU 1972, 154f. Taf. 27); Titova Cesta, Grab 41 (petru1972, 166 Taf. 4).
60. BozˇiCˇ 20 01a .
61. Dolenz 1998, 269.
62. BozˇiCˇ 2001a, 28–30.
63. Die Stili sind entweder unverzier t oder so schlecht erhalten, dass sich keine Angaben zum ursprüngli-chen Aussehen machen lassen. Avenches, En-Chaplix, Structure 162 (castellaetal. 1999, 334. 238f. Abb. 230 – Stilus nicht abgebildet); Avenches, En-Chaplix, Structure 310 (castellaetal. 1999, 334. 285 Abb. 285 – der nicht abgebildete Stilus wurde in der Urne gefunden); Weil, Grab 50 (ASS kampabb. 2Pompejianisches Wandbild mit Schreibgeräten 1989, 57. 198 Taf. 31. 32); Gleisdorf, Grab 301 (garbsch 1965, 167. Ohne Abbildungen publizier t.); Karlstein, Grab 14 (garbsch 1965, 171 Nr. 7 Taf. 21 Nr. 7. 8); Karlstein, Grab 108 (garbsch 1965, 172 Nr. 35 Taf. 24 Nr. 14. 15); Karlstein, Grab 303 (garbsch 1965, 176 Nr. 90 Taf. 30 Nr. 16–18).
64. Castellaetal. 1999, 334. 413 Taf. 181.
65. ASS kamp 1989, 57. 197 Taf. 28–30.
66. Pollak 1993, 109. 203 Taf. 32.
67. Pollak 1993, 329 Abb. 23; bordenache-battaglia 1983, 92–95.
68. Brusin 1937, 190 f.; gio vannini – Feugère 2000, 13f.
69. Nach brusin 1937, 190 mit Korrektur der Tagesanzahl von XXV zu XXI entsprechend inscraqu 805 = ieaquil 466. Übersetzung nach ieaquil 466, S. 319f.: Den Totengöttern. Lebe wohl, Antestia Marciana, dein Name bleibe für immer im Gedächtnis. Sie hat gelebt 12 Jahre, 1 Monat und 21 Tage. Die Eltern An­tistio Marciano und Vergilia Fortunata ihrer süssesten [Tochter].
70. Koster 2013, 46–49. 58–67. 156–160; Taf. 6–14. 36–47. 49–57 (Grab 1, 9, 11).
71. Pirling 1989, 124f. Taf. 80f. Es scheinen sich keine Knochenreste erhalten zu haben, wodurch sich die Ar t der Bestattung nicht sicher bestimmen lässt. Die Beigaben sind aber bis auf eine Ausnahme, ein Topf mit Brandspuren aussen, alle unverbrannt. In pirling – Siepen 2006, 428f. Wird ein Brandgrab vermutet.
72. Von boesel Ager 1989, 221–224.
73. Pirling 1989, 12 5.
74. Hagen 1906, 411. Er definier t das Material als Bronze. Von boesel Ager 1989, 221 spricht von einer Kupferlegierung für das Tintenfässchen und Eisen mit Gold-, Silberund Bronzedraht-Tauschierung für die Stiftfragmente aus Grab 189-103. Foto bei Von boesel Ager 1989, 224 Abb. 5. Stili und Tintenfass aus Grab 1897-103 sind heute nicht mehr verbunden, wie ebenda 222 Abb. 1a–b zeigt.
75. Von boesel Ager 1989, 221–225 Abb. 3a–b. Es handelt sich um Beigaben aus dem Brandgrab 1897-166 .
76. Von boesel Ager1989, 225 Abb. 8.
77. Künzel 1982, 93 erkennt nur das eine Eisenfragment als stilusar tiges Gerät, das andere lässt er unbe-stimmt. Beide Quellen machen keine Angaben zum Material des Tintenfässchens. Vom Erhaltungszu-stand her könnte es sich um Bronze handeln.
78. Von boesel Ager 1989, 2 27.
79. Von boesel Ager 1989, 237. Typisch männliche Beigaben wie Rasiermesser oder Waffen fehlen. Die Salbenreibsteine werden mit dem Bereich der Kosmetik in Verbindung gebracht, könnten aber auch zum medizinischen Gerät gezählt werden. Fasold 1987/88, 184. Der Salbenreibstein ist bei hagen1906, 410f. Taf. 24 weder erwähnt noch abgebildet.
80. Di gennaro – de filippis 1995, 267–274.
81. Ambs – faber 1998, 4 41.
82. Di gennaro – de filippis 1995, 273. Das Röhrchen ist dor t in Abb. 5 gezeigt. Fünfschilling 2012, 184 schliesst sich dieser Deutung als Behälter an
83. Bei künzl 1982, 48. 68f. 105f. Wurden solche Behälter in mehreren Gräbern mit medizinischen Uten-silien präsentier t und mit der Aufbewahrung von Medikamenten in Verbindung gebracht. Hinweis bei fünfschilling 2012, 184 Anm. 133.
84. Di gennaro – de filippis 1995, 273. Ähnliche Tintenfassdeckel etwa bei fünfschilling 2012 ,187f. Abb. 35f. Das 23.7 cm lange Stäbchen mit Bernsteinperlen wird von di gennaro – de filippis1995, 273 als Spinnrocken oder Zepter angesprochen und lässt sich nicht mit Schreibgerät in Verbindung bringen. Aussagen zu weiteren Funden werden keine gemacht. Das Stäbchen ist oben und unten gerundet und lässt sich aufgrund seiner gerippten Form relativ schlecht in der Hand halten. Das Grä-berfeld wurde nur zusammenfassend publizier t. Es wurde von trajanischer Zeit bis in das 3. Jahrhun-der t n. Chr. Benutzt. Di gennaro – de filippis 1995 271 Abb. 3 zeigt, dass in Grab 75 10–17 Objekte beigegeben wurden, diese zu Füssen der Verstorbenen deponier t waren und aus Silber und Bernstein bestanden.
85. Fasold 1987/1988, 198–211, Abb. 6–10. 16.
86. So ist das Geschlecht der juvenilen Person nicht bestimmt. Dass Messerchen als Beigabe nicht zwin-gend auf eine männliche Bestattung hinweisen, lässt sich an den vorgelegten Gräbern leicht nach-vollziehen. Spielsteine kommen auch im (unsicheren) Grab 2 in Winchester und im weiblichen sog. Kindergrab des Berliner Arztes in Rom vor. Es könnte sich auch um eine Doppelbestattung handeln (siehe fasold 1987/1988, 209), was die Eingrenzung der Grabbereiche noch erschwer t.
87. Ambs – faber 1998, 400–404.
88. Ambs – faber 1998, 441. 443f. 462f. Für die Löwenkopftülle wäre auch eine Nutzung als Endbeschlag einer Balkenwaage möglich, wird aber von Ambs – Faber zugunsten der Interpretation als Messer und somit Teil der Schreibgarnitur verworfen. Bei den Beinfragmenten könnte es sich auch um einen Spinnrocken handeln, einer verbreiteten Beigabe in Frauenund Mädchengräbern in Italien und den Grenzprovinzen.
89. Biddle 1967, 23 0 –248 .
90. Biddle 1967, 241f. Siegelkapseln im Grabkontext werden manchmal mit der Textstelle bei Diod. 5, 28, 6 in Verbindung gebracht, welcher vom keltischen Brauch berichtet, dass beim Begräbnis der Leiche Briefe ins Feuer geworfen worden sind, welche die Verstorbenen lesen sollten. Kolling 1974, 478–479; Feugère 1998, 24–25. Ein mittelkaiserzeitliches Brandgrab aus Marpingen belegt die Siegel-kapselbeigabe auch für Frauen. Kolling 1974, 478f.
91. Biddle 1967, 231. 248.
92. Böhme-schönberger 2010.
93. Böhme-schönberger 2010, 196 bezeichnet das Messer fälschlicherweise als Beleg für das Schreiben auf einem Wachstäfelchen.
94. Böhme-schönberger 2010, 200.
95. Hoffmann 1997, 89–114.
96. Ein hölzernes Kästchen, ein bronzenes Fibelpaar, ein Bronzespiegel und ein Glasbalsamarium spre-chen für eine weibliche Bestattung.
97. Espérandieu 1928, 165–166. Die Glasurne mit dem Leichenbrand wurde bei der Auffindung des Gra-bes zerstör t und nicht aufbewahr t. Espérandieus Geschlechtsbestimmung erfolgt über die Beigaben.
98. Es sollen sich auch Reste eines Bronzestilus erhalten haben, welche aber nicht abgebildet sind. Ein kleines silbernes Döschen könnte als Tintenfässchen gedient haben. Ein bronzenes Lämpchen auf einem Dreibein diente zur Beleuchtung und auch Toilettengerät und Trinkgeschirr sind vorhanden.
99. Zahn 1950, 264–268; platz-horster 1978, 184 –195.
100. Darunter so wer tvolle Stücke wie 19 Miniaturgefässe, zwei Lämpchen, ein kleiner Kandelaber und zwei, vielleicht drei Handspiegel, alle aus Silber, Gefässe aus Edelsteinen, Goldschmuck, sogar ein goldenes Diadem und ein ebensolches Haarnetz. Die 70 Spielsteine sind in ihrer Menge einzigar tig im hier präsentierten Material.
101. Platz-horster 1978, 193. Anhand von einem Exemplar aus Bieberich zeigt sie, dass diese Form auch bei stark profilier ter Wandung möglich ist. Zahn 1950, 282 verwirft die Interpretation als Doppeltin-tenfass dagegen aufgrund der starken Profilierung.
102. Platz-horster 1978, 190 vermutet, dass ein grosser repräsentativer Goldring aufgrund seiner Form wohl recht unbequem war und nur zu aussergewöhnlichen Anlässen getragen wurde. Zahn 1950 ging ursprünglich von einem Kindergrab aus, hat seine Meinung aber später auch geänder t und dachte an eine Braut oder junge Frau. Diese Aussage ist dem anschliessenden ergänzenden Beitrag von Gerda Bruns zu entnehmen, welcher im Anschluss an Zahns Aufsatz nach dessen Tod erschienen ist. Einen zusätzlichen Hinweis auf das Geschlecht gibt das reich geschmückte Kästchen mit Schiebedeckel aus geschnitztem Elfenbein. Das Ensemble gelangte aus einem Privatnachlass in das Antiquarium der Staatlichen Museen Berlin. Über die eigentliche Bestattung ist nichts bekannt, sie kann also keine weiteren Aufschlüsse über die Verstorbene liefern.
103. Zur Verschiebung der Reichsgrenze siehe überblicksmässig kemke S 2005, 44 –53.
104. Jilek 2000, 101. Siehe koch 1993, 57 zu Darstellungen von Musen oder Schreibgerät als Zeichen von Bildung auf Sarkophagen.
105. Bei den vorliegenden Gräbern war das etwa bei Grab 3475 aus Krefeld-Gellep (pirling 1989, 125) oder dem Grab 75 aus Boccone d’Aste (di gennaro – de filippis 1995, 267–274; ambs – faber1998, 441) der Fall.
106. Woolf 2009, 60.
107. Öllerer 1996 , 159.
108. Zur Verbreitung des Briefverkehrs siehe hemelrijk 1999, 188; DNP 2 (1997) 771–775 s.v. Briefe (P. L. Schmid).
109. Mcdonnell 1996, 474.
110. Tab. Vindol. II 291; Tab. Vindol. II 292; Tab. Vindol. II 293; Tab. Vindol. II 294. Sie sind unter < http://vindolanda.csad.ox.ac.uk/ > (23.06.2015) mit Bildern, Umschrift, Übersetzung und Kommentar abzu-rufen. Tab. Vindol. III 635 in: bowman – thomas 2003, 89f. Inv. Nr. 93.1269.
111. Es handelt sich um Sulpicia Lepidina, die Frau von Flavius Cerialis, der um 100 n. Chr. Präfekt einer Kohor te in Vindolanda war. Die Absenderin Claudia Severa war die Frau von Aelius Brocchus, einem Kohortenkommandanten aus der Umgebung. Siehe bowman – thomas 1987, 126. 129f. 134; bowman– thomas 1994, 256 –265.
112. Galsterer 1999, zur Leseund Schreibfähigkeit insbesondere 47f.
113. Hunink 2011. Öffentliche oder geschäftliche Graffiti werden nur selten aufgeführ t. Sie sind aber für die vorliegende Untersuchung zu vernachlässigen, da sich etwa bei Programmen von öffentlichen Spielen nur schwer nachweisen lässt, wer sie geschrieben hat. Kaum lesbare Inschriften wurden eben-falls nicht berücksichtigt.
114. Hunink 2011, Nr. 5. 27. 71. 240. 402. 462. 710. 831. 928.
115. Hunink 2011, Nr. 355. 626. 737. 975. Bei Nr. 357 handelt es sich dagegen um ein Dichterzitat nach Vergil. Auch wenn es aus der Sicht einer Frau spricht, lässt sich nicht feststellen, ob es auch von einer an die Wand geschrieben wurde.
116. Es handelt sich entweder um Grusswor te oder Abschiedsgrüsse. Abschiedsgrüsse: hunink 2011 Nr. 6. 32. 48 (Gruss und Abschied). 50. 53. 93 (griechisch). 283. 407. 424. 449. 453 (Mama). 588. 589. 631. 635. 806. 870 (Gruss und Abschied). 892. 900. 928. 967. 989. 996. Grusswor te: hunink 2011 Nr. 9. 27. 34. 48 (Gruss und Abschied). 55. 89. 110 (unpersönlich). 136. 184. 194. 239. 256. 410. 534. 601. 870 (Gruss und Abschied). 882. 909. 929. 950. 981. 995.
117. Hunink 2011, Nr. 10. 18. 21. 85. 127. 131. 167. 285. 360. 362. 408. 499. 600. 731 .809. 939. 1007.
118. Mano 2006, 5.
119. Bei hunink 2011 lassen sich mindestens 28 Inschriften als Annoncen für Prostituier te ansprechen, teils mit Preisangabe, teils ohne. Bei manchen, wie Nr. 402 (entspricht CIL IV 4439) scheint die Frau selbst die Urheberin zu sein, bei anderen wohl eher der Bordellbesitzer.
120. Sie sind mehrfach, aber ohne Inventarnummern publizier t: binet – dondin-payre 20 02 , 133 –137; lambert 2002, 318–335, L-111–L-122 (die rein latinischen Inschriften sind ohne Katalognummer aufge-führ t); dondin-payre 2005, 133–146; dondin-payre 2006, 143–154; dondin-payre 2007, 425–431 (mit Verbreitungskar te Abb. 1); gri Mbert – saint oli Ve-sandoz 2006, 13. Einige davon sind im CIL aufgenommen: CIL XII 5688.19. CIL XIII 2697 und 10019.18. CIL XIII 10019.17. CIL XIII 1324.
121. Dondin-payre 2005, 145f. Nr. 13. 14. Nr. 21.
122. Lambert 2002, 321f. 327. Das gallische Nata steht im Akkusativ Plural.
123. Lambert 2002, 321f. Nennt alle Möglichkeiten mit der Angabe von älterer Literatur. Die Deutung als Imperativ lehnt er ab. Im Gegensatz dazu nimmt dondin-payre 2005, 138. 144–146 diese Überset-zung neben anderen auf. Chadron-picault – dondin-payre 2000, 213 gehen auf diese Deutung nicht ein.
124. Alle nach dondin-payre 2005, 145 Nr. 14.
125. Römische Fibeln mit Inschriften bei behrens 1950, 1–12; noll 1952, 395–399; martin-kil Cher1998, 147–154. Zu Ringen henkel 1913, 323–325. Thüry hat sich ausführlich mit erotischen Inschriften, zu denen er auch die Liebeswerbung zählt, beschäftigt. Siehe thüry 1974, 83–90; thüry 1980, 97f.; thüry 1991, 93–109; thüry 1994, 85–95; thüry 1999, 295–302; thüry 2003, 11f; thüry 2004, 54–67; thüry 2008, 295–304.
126. Die Inschrift der zweiten Fibel ist nur noch in Teilen erhalten und lässt sich nicht mehr komplett lesen. Martin-kil Cher 1998, 154 Abb. 6 C7. C8. Zum Thema Liebespfand siehe thüry 2 0 0 3 , 11f .
127. De villefoss e 1915, 39f. Thüry 1994, 89 nimmt diese Deutung auf, widerspricht ihr aber in thüry20 0 4, 61f.
128. Der Herr seiner Sklavin. Guzzo – scarano ussani 2001, 981–997. Das Stück datier t einige Jahrzehnte vor 79 n. Chr.
129. Guzzo – scarano ussani 2001, 992f.Abb. 3S-förmige Fibel aus einem Grab aus Treignes mit der Inschrift ESCIPE SI AMAS
130. Harris 1989, 259. 267. 272. In Italien unter 20–30 % für Männer und unter 10 % für Frauen.
131. Öllerer 1996 , 170.
132. Harris 1995, 20 –22.
133. Öllerer 1996 , 174f.


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